Arthur Honegger: König David

Arthur Honegger: König David

Uraufführung

Komponist: Arthur Honegger
Datum: 18./19.November 2017
Ort: Mutterhauskirche Kaiserswerth

 

Thematik

Das Oratorium „König David“ wurde 1921 für ein Volkstheater in der französischen Schweiz komponiert. Der Dichter Rene Morax wählte den Stoff aus und schrieb ein Drama, das der in Frankreich lebende Schweizer Arthur Honegger (1892 – 1955) vertonte. Es ist eines der beliebtesten Oratorien des 20. Jahrhunderts. Die heute aufgeführte Fassung ist die Originalversion von 1921, aufgrund des großen Erfolges des Werkes arbeitete Honegger 1923 das Stück zu einer Fassung für ein großes Sinfonieorchester um. Honegger begründetete mit diesem Oratorium seinen Weltruhm.
Erzählt werden der Lebensweg und das Wirken Davids, der vom Hirtenjungen zum Bezwinger des Riesen Goliath und schließlich zum König über das vereinte Israel wird, wie es im alten Testament beschrieben ist. Im Mittelpunkt steht Davids Verdienst, das in viele Stämme zersplitterte Land zu vereinen, indem er den Glauben an den Gott Israels wieder als das einende Element hervorhebt. Er überführt die Bundeslade, das alte Kriegsheiligtum Israels, in seine Königsstadt Jerusalem (Satz Nr. 16 „Tanz vor der Bundeslade“). Gott wohnt im Zentrum des Landes, so bekommt er einen Ort, an dem er angesprochen werden kann. David ist der Vorbote der Verheißung Gottes, daß aus Davids Stamm der Sohn Gottes als Heilsbringer für alle Menschen kommen wird. Aber neben dem glaubensstarken David wird auch immer wieder der fühlende und für Sünden anfällige Mensch David geschildert. So entsteht ein farbiges und abwechslungsreiches Stück. Ein Sprecher erzählt die Handlung, die Musik „malt“ diese dann wie eine Schauspielmusik in ihrenTönen aus.
Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Europa in der Zeit nach den gerade erlebten Schrecken des ersten Weltkrieges trotz enormer Interessensgegensätze um Vereinigung ringt, und zudem in der Schweiz das Problem der kantonalen Zersplitterung besonders vorherrschend ist, dann erhält die Aussage des Oratoriums noch eine weitere Dimension. Die im Schlußsatz dreimal wiederholte, choralartig vertonte Ankündigung, „Gott verheißt: es wird kommen der Tag, wo eine Blume Euch erblüht und ihr Gnadenkelch erglüht. 0 wie erquickt lieblich und hold alle Völker dieser Welt sein Odem des Lebens!“, wird zum Ausdruck einer großen Friedenssehnsucht und Friedenshoffnung. Das Werk vereinigt eine farbige, facettenreiche Darstellung des Lebens (Kriegsfanfaren, Freudentänze, Klage- und Bußgesänge) mit einer großen im Glauben an Gott und im Vertrauen auf seine Verheißung verwurzelten Zukunftsvision.

Ausführende:

Dorothea Wohlgemut, Sopran
Ursula Kunz, Alt
Wolfram Wittekind, Tenor
Dirk Schrotemeier Sprecher

Camerata Instrumentale Kaiserswerth Chor der Stadtkirche

Gesamtleitung: Susanne Hiekel

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König David Programm

Pressestimmen

Rheinische Post – Düsseldorf

 

Die Glocken von Kaiserswerth – ein Musical

Die Glocken von Kaiserswerth – ein Musical

Uraufführung

Komponist: Ingo Driesen, Alexander Hertel
Datum: 8./9./10. Juli 2011
Ort: Stadtkirche Kaiserswerth

Das Musical zum 200. Jubiläum der Stadtkirche

Text: Gina Mayer und Jonas Marquardt
Musik: Ingo Driesen und Alexander Sylvester Hertel

Handlung

Zur Handlung: Die Speckermönche aus Düsselthal haben nach Napoleons Säkularisation ihr Kloster verloren. Nun sollen sie die Glocken bei der Obrigkeit abliefern, aber auf der Präfektur will man sie nicht entgegennehmen. Entnervt beschließen die Mönche, die Glocken einfach am Wegrand zurückzulassen. Hier finden sie Kinder aus Kaiserswerth, die sich nun ihrerseits mit den Glocken auf die Suche nach den Mönchen machen, weil sie sich eine großzügige Belohnung erhoffen. Ihre Eltern, die evangelischen Bürger von Kaiserswerth, haben ganz andere Sorgen. Sie sind es leid, ihre Gottesdienste in einem zugigen Gemeindehaus feiern zu müssen und beschließen, eine Kirche zu bauen. Zur Finanzierung des Kirchbaus wollen sie Geld sammeln, außerdem planen sie, Kaiser Napoleon einzuladen und um seine Unterstützung zu bitten. Und Napoleon kommt auch tatsächlich nach Kaiserswerth – aber nicht nur er. Auch eine Gruppe von Revolutionären beschließt just zu diesem Zeitpunkt, die Kleinstadt am Rhein aufzumischen und die Revolution nach Deutschland zu tragen. Friedrich Schiller, Jean Paul Marat, Heinrich Heine und Karl Marx – historische Persönlichkeiten aus der Vergangenheit und der Zukunft – wollen die Glocken an sich bringen, um daraus Kanonenkugeln zu gießen. Das wiederum ruft Theodor Fliedner, den zukünftigen Pastor von Kaiserswerth, auf den Plan. Gemeinsam mit den Kaiserswerther Kindern macht er sich daran, die finsteren Absichten der Revoluzzer zu durchkreuzen und die Glocken zu retten …
Gina Mayer

Ausführende:

Kinder-, Jugend- und Erwachsenen – Kantorei Kaiserswerth
Band Avalon:
Ingo Driesen, E-Gitarre, Mandoline
Alexander Sylvester Hertel, E-Gitarre
Andreas Fröhlich, E-piano
Christian Duwe, Keyboard
Martin Homann, E-Bass
Stefan Irle, Schlagzeug
Am Mischpult: Jörn Driesen
Beleuchtung: Finn Dübbers, Moritz Schner
Technik: Ingo Driesen
Kulissen: Alexander S. Hertel

Gesamtleitung: Susanne Hiekel

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Programm und Texte

Videotrailer

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Pressestimmen

Ein Deutsches Requiem & Kantate Omnia Tempus Habens

Ein Deutsches Requiem & Kantate Omnia Tempus Habens

Aufführung

Sonntag, 13. November, 2022 17 Uhr
Mutterhauskirche Kaiserswerth

Bernd Alois Zimmermann Kantate
OMNIA TEMPUS HABENT
für Sopran und 17 Instrumente

Einführung

Dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms, das in seiner musikalischen Gestaltung und seiner Konzeption anregend für einige Komponistenpersönlichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts wurde, wird in diesem Konzert gewissermaßen als Dialogpartner und Denkanstoß ein wichtiges Werk von Bernd Alois Zimmermann (1918- 1970) vorangestellt. Das Thema Zeit ist ein zentrales Thema im Schaffen dieses bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, der in vielen Werken gerade die Zeit und deren Erleben in besonderer Weise mit künstlerischen Mitteln dargestellt hat. Es ging ihm hierbei insbesondere um die Differenz zwischen der gemessenen Zeit sowie jenes innere Zeiterleben, das er in Anlehnung an antike und mittelalterliche Gedanken als kugelgestaltig beschrieb – und als eine Art Zusammenführung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit kompositorischen Mitteln verstand. Insofern geht es im ersten Werk des heutigen Abends zunächst um das Leben und seine erfüllten Zeiten. Zimmermann komponierte die Kantate „Omnia tempus habent“ (Jegliches hat seine Zeit) im Jahre 1957. Es handelt sich hierbei um eine Vertonung von Texten der Vulgata aus dem 3. Kapitel des Predigers Salomo. Dies ist ein Text, der sogar in mehreren Werken Zimmermanns vorkommt und über dessen skeptische Töne und existenzielle Zweifel er immer wieder reflektierte. Der Text offenbart, dass der Mensch nicht Herr seiner Zeitbestimmung ist. Vor allem im Mittelteil dieser Kantate wird die Fülle der Wechselfälle des menschlichen Lebens auf musikalisch sehr farbige Weise vergegenwärtigt. Die Sopranstimme übernimmt dabei eine führende Rolle und ist überaus differenziert und expressiv ausgestaltet. Dies geschieht beispielsweise durch viele verschiedenen Arten des Singens, etwa durch große Sprünge in der Melodieführung, durch dynamische Kontraste auf engstem Raum und durch das Singen nach der gregorianischen Art des Rezitationstons (tonus rectus), aber auch durch Sprechgesang und gesprochene Passagen. Die für den Text besonders typischen Gegensatzpaare (z.B. lieben – hassen, schweigen – reden, Krieg – Frieden) werden auf unterschiedliche Weise vertont. Teils werden sie als musikalische Einheit zusammengefasst, teils musikalisch kontrastierend. So wird einerseits das Gegensatzpaar tacendi/loquendi (schweigen und reden) durch eine einheitliche Motivik und sogar einen formalen Zusammenhalt durch eine Umkehrung (musikalisch gesprochen: in Krebsform) gestaltet. Doch andererseits ist die Passage „tempus belli et tempus pacis“ (die Zeit des Kriegs und des Friedens) als großer Kontrast komponiert: „tempus belli“ wird mit hintergründigen, an Kriegstrommeln erinnernden rhythmischen Motiven eingeleitet, während die Zeit des Friedens durch ruhige Streicherklangflächengeprägt ist. Nach den Exemplifikationen der unterschiedlichen menschlichen Zeiten stellt der Prediger Salomo eine Frage, auf die er keine Antwort gibt: Welchen Gewinn erhält der Mensch durch seine Mühe? („Quid habet amplius homo de labore suo?“) Diese Frage ist für Zimmermann so bedeutend, dass er sie drei Mal in unterschiedlichen Ausdrucksweisen wiederholt. An die Stelle einer Antwort setzt der Prediger zunächst die Betonung der Schöpferkraft Gottes: „er hat alles gut gemacht zu seiner Zeit“. Sodann fügt er das Unverständnis des Menschen gegenüber dem Werk Gottes an: Gott habe die Ewigkeit bzw. die Weltzeit (mundum) ins Herz des Menschen gelegt. Jedoch könne der Mensch Gottes Werk nicht ergründen, weder den Anfang noch das Ende. Dass Zimmermann den Worten „ab initio usque ad finem“ (von Anfang bis zum Ende) zuletzt ein weiteres „ab initio“ anfügt, lässt an Friedrich Nietzsches von Wort von der „ewigen Wiederkehr“ denken. Auf diese Weise wird am Ende der Komposition deutlich, dass auch das Ende nicht festgelegt ist; es geht immer weiter. Musikalisch wird hier das rhythmische Motiv der Zeit des Krieges wieder aufgenommen, auch diese Zeit geht unaufhörlich weiter… Zum besonders Beeindruckenden dieses in lateinischer Sprache gehaltenen Werkes gehört auf musikalischer Ebene nicht zuletzt die Gelassenheit, die es trotz der vermeintlichen Ohnmacht des Menschen ausstrahlt – auch Zimmermanns Verwendung der lateinischen Sprache ist wohl in diesem überzeitlichen Sinne zu verstehen. Es ist eine existenzialistische Gelassenheit. Sie beinhaltet ein Staunen über die Mannigfaltigkeit des Lebens und ist von dem Gedanken geprägt, dass der Mensch nicht Herr seiner Zeitbestimmung ist, mithin kündet sie von einem adäquaten Umgang mit der Fülle der Wechselfälle des menschlichen Lebens. Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms knüpft an einigen Stellen daran an, ich denke hier besonders an die Stelle „Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben“. Das Werk konzentriert sich aber vor Sonntag, 13. November 2022, 17 Uhr Mutterhauskirche Kaiserswerth Bernd Alois Zimmermann Kantate OMNIA TEMPUS HABENT für Sopran und 17 Instrumente Johannes Brahms EIN DEUTSCHES REQUIEM Opus 45 nach Worten der Heiligen Schrift für Solisten, Chor und Orchester AUSFÜHRENDE: Manfred Bittner, Bariton Julia Hagenmüller, Sopran (Brahms) Aki Hashimoto, Sopran (Zimmermann) Camerata Instrumentale Kaiserswerth Kantorei Kaiserswerth Leitung: KMD Susanne Hiekel Mit freundlicher Unterstützung: allem auf die Suche nach Trost und Hoffnung für die Leidtragenden, für diejenigen, die über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens traurig und verzweifelt sind. Das ist einer der Ausgangspunkte dieser Komposition. In gewissem Gegensatz zur traditionellen Bitte um Erlösung der Toten steht in ihr der Mensch im Vordergrund: der Lebende, der Zurückgelassene und derjenige, der Trauer und Leid zu tragen hat. Brahms sprach selbst davon, dass er im Titel des Werkes „recht gern auch das „Deutsch“ fortließe und einfach den „Menschen“ setzte“. Dieses Zitat aus einem Brief an Carl Reinthaler weist auf einen wesentlichen Aspekt: Diese Komposition ist bewusst keine deutsche Fassung einer lateinischen liturgischen Requiem-Vertonung, sondern reflektiert aus verschiedenen Perspektiven über den Tod und somit über die gesamte menschliche Existenz: über ihre Endlichkeit, über unser Trostbedürfnis, doch auch über die Hoffnung auf ewige Freude. Genießen Sie dieses Konzert, in dem unser mannigfaltiges Leben mit all seinen Schattierungen, unsere Endlichkeit und die Hoffnung auf Ewigkeit zum Klingen gebracht werden.

Ausführende

Manfred Bittner, Bariton

Julia Hagenmüller, Sopran (Brahms)

Aki Hashimoto, Sopran (Zimmermann)

Camerata Instrumentale Kaiserswerth Kantorei Kaiserswerth

Leitung: KMD Susanne Hiekel

 

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Programmheft 2022

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Ein Überlebender aus Warschau und Brahms Requiem

Ein Überlebender aus Warschau und Brahms Requiem

Aufführung

Sonntag, 19. November, 2006 17 Uhr
St. Suitbertus Basilika Laiserswerth

Johannes Brahms

EIN DEUTSCHES REQUIEM

Opus 45 nach Worten der Heiligen Schrift
für Sopran, Bariton, 
Chor und Orchester

Arnold Schönberg

A SURVIVOR FROM WARSAW
(Ein Überlebender aus Warschau) opus 46

für Erzähler, Männerchor und Orchester

Thematik

Innerhalb der Tradition der großen Requiem-Kompositionen nimmt das Deutsche Requiem von Johanns Brahms einen besonderen Platz ein, da es statt einer liturgischen Totenmesse eine Kantate zum Trost für die Leidtragenden ist. Es erinnert an Vergänglichkeit und menschliches Leid, setzt aber aller Traurigkeit auch Trost, Hoffnung und sogar Zuversicht entgegen. Der Titel „Ein deutsches Requiem“ weist zunächst auf die deutsche Sprache hin (der Text im traditionellen Requiem ist lateinisch). Zugleich deutet er darauf, dass das Werk an kein Dogma und keine Konfession gebunden ist, sondern als Trost für alle Menschen zu verstehen sei. Brahms selbst schrieb in einem Brief an J. Reinthaler: „…ich will bekennen, dass ich recht gern auch das ,Deutsch‘ fortließe und einfach den ,Menschen‘ setzte“.

In unserer heutigen Aufführung wird zwischen den Sätzen IV und V des Requiems von Brahms ein berühmtes anderes Werk eingeschoben: Arnold Schönbergs unvergleichliche Komposition „Ein Überlebender aus Warschau“ aus dem Jahre 1947. Dies geschieht in der Überzeugung, dass sich dadurch in erhellender Weise sowohl Korrespondenzen wie auch Kontrastwirkungen zwischen beiden Werken ergeben. Eine solche Verknüpfung könnte dazu verhelfen, jenseits des routinierten Umgangs mit einem Klassiker der Chorliteratur im Werk von Brahms ganz neue Impulse oder Qualitäten zu entdecken. Es ist überdies auch darauf zu beziehen, dass auch bei der Uraufführung des „Deutschen Requiems“ 1868 im Bremer Dom andere Kompositionen an dieser Stelle eingeschoben wurden.

Arnold Schönberg, der ein großer Verehrer der Musik von Johannes Brahms war und als einer der ersten die zukunftsweisenden Potentiale in ihr entdeckte, schuf ein hochexpressives, die Grausamkeiten des Nationalsozialismus nicht beschönigendes Werk, in welchem er beschreibt, wie die Bewohner des Warschauer Ghettos zusammengetrieben werden und gemeinsam das fast vergessene jüdische Glaubensbekenntnis  „Sch‘ma jisrael“ („Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, ewiges Wesen…“) anstimmen. „Ein Überlebender aus Warschau“ ist eine kurze, aber intensive Kantate für großes Orchester, einstimmigen Männerchor und Sprecher.

Arnold Schönberg, der ein großer Verehrer der Musik von Johannes Brahms war und als einer der ersten die zukunftsweisenden Potentiale in ihr entdeckte, schuf ein hochexpressives, die Grausamkeiten des Nationalsozialismus nicht beschönigendes Werk, in welchem er beschreibt, wie die Bewohner des Warschauer Ghettos zusammengetrieben werden und gemeinsam das fast vergessene jüdische Glaubensbekenntnis  „Sch‘ma jisrael“ („Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, ewiges Wesen…“) anstimmen. „Ein Überlebender aus Warschau“ ist eine kurze, aber intensive Kantate für großes Orchester, einstimmigen Männerchor und Sprecher.

Schönberg beschreibt darin das für die Organisation des NS-Terrors typische Szenario einer Appellselektion zur Bestandskontrolle und Ausmusterung zum Tode verurteilter Inhaftierter und greift dabei auf  Schemata des NS-Lageralltags zurück. Zu den Kernaspekten der Komposition, die auch in ihrer musikalischen Struktur reflektiert werden, gehört die Frage der Unentrinnbarkeit. Zugleich spielt die Arbeit mit verschiedenen Motiven der Angst und der Bedrohung eine Rolle. Zur Intensivierung trägt überdies die Tatsache bei, dass Schönberg  zwischen englischer, deutscher und hebräischer Sprache wechselt, das Deutsche für die Sprache der damaligen Terror-Herrschaft reservierend. 

Das Werk nimmt zwar konkret Bezug auf das Warschauer Ghetto und unterstreicht das Unvergleichliche des NS-Vernichtungsterrors, gehört aber zugleich zu jenen Kunstwerken, die eine Offenheit für die erschütternde Momente der Geschichte zu erzeugen vermögen. Es zählt zu den wegweisenden und eindringlichsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Durch das Anstimmen des  jüdischen Gebets „Sch’ma  jisrael“ in einer existenziell höchst bedrohlichen Situation der Übermacht des Terrors setzt Schönberg dem Erlebnis des Schreckens am Ende des Stückes einen Lebensentwurf  auf höherer Stufe entgegen, aus dem sich die Identität des Einzelnen begreift.

Ausführende

Eva Budde, Sopran
Sebastian Klein, Bariton und Sprecher

Der Chor der Stadtkirche Kaiserswerth

Die Heidelberger Studentenkantorei der Heiliggeistkirche
(Einstudierung: Christoph A. Schaefer)

Camerata Instrumentale Kaiserswerth

Leitung: Susanne Hiekel

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ET ERIT ISTE PAX – ein Weihnachtsoratorium

ET ERIT ISTE PAX – ein Weihnachtsoratorium

„ET ERIT ISTE PAX – und Er wird der Friede sein“

Komponist: Komponist Holger Clausen
Datum: 11. Dezember 2016
Ort: Mutterhauskirche Kaiserswerth

Ist ein „Weihnachtsoratorium“ unseres Jahrhunderts, in dem neben einem 4- bis 8-stimmigen Chor, dem Kinderchor und zwei Solisten ein Jazzensemble „als Continuogruppe des modernen Jazz“ eine tragende Rolle spielt.

In seinem Weihnachtsoratorium zielt der Komponist Holger Clausen (1947-2008) ausdrücklich darauf, „eine Synthese zu finden zwischen den originalen, lateinischen Texten der Biblia Sacra Vulgata (namentlich Micha 5, Lukas 2) und einer Musik von heute mit farbenreichen und dramaturgisch höchst interessanten Ausdrucksmöglichkeiten.“ Den Aspekt einer „Musik von heute“ bringt Clausen darin zum Ausdruck, dass er Elemente wie Jazzballade, Salsa-Musik und einige aus Musicals geläufige Darstellungsweisen zum Zuge kommen lässt. Neben den auf lateinisch gesungenen Bibeltexten des Alten und Neuen Testaments enthält das Oratorium auch zwei Strophen des herrlichen Chorals von Paul Gerhard „Ich steh an deiner Krippen hier“ in der Vertonung von J.S. Bach. Umrahmt wurde das moderne Weihnachtsoratorium von barocken Weihnachtsmotetten von Heinrich Schütz, Johann Walther und Michael Praetorius.

Ausführende:

Clementine Jesdinsky, Sopran
Cezar Dima, Tenor
Chorsolisten: Julia Schwabe-Werner, Mimmi Trappen
Die Kantorei Kaiserswerth mit Kinder- und Jugendkantorei Kaiserswerth
„Latin- und Jazz Ensemble Kaiserswerth“ bestehend aus:
Geovenel del Valle Miranda (Trompete),
Norbert Hotz (Bass), Matthias Göbel (Perkussion),
Dirk Ferdinand (Schlagzeug).
Georg Corman (Klavier)

Susanne Hiekel, Leitung

Es existiert ein Livemittschnitt vom Konzert am Sonntag, 11. Dezember 2016, 17 Uhr in der Mutterhauskirche Kaiserswerth.

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Programmheft